Allgemein

Inszenierung

Der Landesstreik wird als zentrales historisches Ereignis in seiner Bedeutung für die heutige Schweiz unterschätzt. Nach dem Landesstreik hielt sich lange das bürgerliche Bild einer bolschewistischen Verschwörung, das auch durch die Militärprozesse gegen die Exponenten des Streiks gefestigt worden war. Dem Aargauer Willi Gautschi haben wir die bis heute wichtigste Untersuchung der tiefsten Krise der Schweiz seit der Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848 zu verdanken. In seinem Standardwerk «Der Landesstreik» bemüht sich Gautschi um eine objektive Sicht auf das, was sich 1918 in unserem Land ereignet hat. Seither hat sich die Geschichtsschreibung immer wieder mit dem Landes- oder Generalstreik 1918 und mit seinen bekannten Protagonisten beschäftigt: dem Bundesrat und General einerseits, dem aus Vertretern verschiedener Gewerkschaften und vom Berner Nationalrat und späteren Regierungsrat Robert Grimm angeführten Oltener Komitee andererseits. Die Geschichte der Streikenden selbst, der teilweise hungernden Bevölkerung – oder jene der einfachen Soldaten vom Land, die gegen sie eingesetzt wurden, der Frauen und Männer in den Fabriken, der Arbeitgeber, der Kinder vor den Suppenküchen, der Eisenbahner, die den Verkehr im ganzen Land zum Erliegen brachten – ist noch kaum geschrieben. Ihnen gilt in der Inszenierung das Hauptaugenmerk.

Zusammen mit szenischen Beiträgen aus den Kantonen und Städten aller Landesteilen öffnet sich damit nach 100 Jahren eine breitere Sicht auf den Landesstreik und seine Bedeutung für die Schweiz. Die Inszenierung hält dabei die Entwicklungen bis heute im Blick.

Im Zentrum steht somit die Theaterarbeit mit einem grossen generationenübergreifenden Ensemble von 180 bis 200 Spielerinnen und Spielern mit und ohne Theatererfahrung aus dem Kanton Solothurn und angrenzenden Gemeinden. Sie sind es, die – nach sorgfältigen auf ihre Voraussetzung zugeschnittenen Vorbereitungen – den ganzen Theaterabend von der kleinsten bis zu den grossen Spielaufgaben, Szene um Szene zum Fliegen bringen werden. Sie werden zu sehen sein in einer Vielzahl von ineinandergreifenden Geschichten in grossen Bildern, angeregt von ausgedehnten historischen Recherchen aus der ganzen Schweiz und im Kanton Solothurn, nicht ohne Blick auf die Geschehnisse im Ausland. Dennoch ist nicht ein Reenactment geplant, sondern eine vertiefte Reflexion der damaligen Ereignisse für die heutige Schweiz mit den Mitteln des Theaters. Eines Theaters, in dem die Musik und Gesang, Bewegung und Choreografie für die Entfaltung der vielen Erzählstränge gleichwertig zum Zuge kommen wie Text, Kostümbild und Licht. Wir können dafür auf die Unterstützung von renommierten Künstlerinnen und Künstlern (siehe Team) sowie einer Theaterformation der Basel Sinfonietta zählen.

Jeden Abend empfängt das Ensemble zudem zwei szenische Beiträge mit Geschichten aus anderen Kantonen und Städten aller Landesteile in seinen Reihen. Bereits arbeiten 15 Gruppen aus 13 Kantonen an den Grundlagen für diesen Theaterbesuch in Olten (siehe Gastkantone).

Damit eröffnet die Inszenierung nach 100 Jahren eine breitere Sicht auf den Landesstreik und dessen Auswirkung für die Schweiz.